← Zur Übersicht

Stand: 29.09.2022 | Lesezeit: 5 Min.

Wie hoch sind die Kosten für eine Schuldnerberatung?

Kostenlose Schuldnerberatung oder kostenpflichtige Angebote von Anwälten und Schuldnerberatungsstellen - Hilfe muss nicht immer teuer sein.

DAS WICHTIGSTE VORAB

  • Schuldnerberatung die von öffentlichen, gemeinnützigen und staatlichen Stellen angeboten wird, ist meist kostenlos. Oft ist hier die Wartezeit auf einen Termin sehr lange.
  • Anwälte oder gewerbliche Schuldnerberatungen verlangen ein Honorar. Preise sollten hier geprüft werden – Kosten sollten transparent sein und als Gesamtbetrag genannt werden.
  • Bei gewerblichen Schuldnerberatungsstellen ist auf eine staatliche Zulassung als „geeignete Stelle“ zu achten.

Wo finde ich eine kostenlose Schuldnerberatung?

In vielen Fällen ist die Schuldnerberatung, die von staatlichen Stellen (z.B. in Berlin [1]), den Verbraucherzentralen (z.B. in Lenneberg [2]) oder den Wohlfahrtsverbänden (z.B. Arbeiterwohlfahrt [3], Caritas [4] oder Diakonie [5]) angeboten wird, kostenlosFragen Sie zur Sicherheit trotzdem nach, manchmal fallen z.B. für Besserverdiener oder (ehemals) Selbständige Gebühren an.

Oft müssen Sie hier lange auf einen Termin warten. Eine Studie aus dem Jahr 2016 hat die durchschnittliche Wartezeit bis zum Erstgespräch auf 10 Wochen und die durchschnittliche Dauer der Schuldenbereinigung auf 16 Monate beziffert. Vielerorts sind diese Zeiträume inzwischen erheblich angestiegen.

→  Wichtig: Die Zinsen und Gebühren, die in dieser Zeit anfallen, sind oft um ein Mehrfaches teurer als die einer kostenpflichtigen Schuldnerberatung.

Kostenlos kann es auch werden, wenn Sie zum/zur Rechtsanwalt/ Rechtsanwältin gehen. 
Wenn Sie mittellos, z.B. Sozialhilfeempfänger sind, können Sie beim Amtsgericht einen sogenannten Beratungsschein beantragen. Der Anwalt oder die Anwältin kann dann die Beratungsgebühren direkt mit dem Amtsgericht abrechnen. In der Praxis gelingt das aber selten. Die Gerichte stellen immer weniger Beratungsscheine aus. Wenn man dann einen Beratungsschein in den Händen hält, findet man leider oft keinen Anwalt, der für das geringe Honorar bereit ist, einen Verschuldeten anzunehmen.

Aus diesen Gründen gehen doch viele Verschuldete zu einer kostenpflichtigen „gewerblichen“ Schuldnerberatungsstelle oder zum/zur Antwalt/ Anwältin.

Wie hoch sind die Kosten der Schuldnerberatung bei Anwälten und Schuldnerberatungsstellen?

Wie hoch sind die Kosten der Schuldnerberatung also? Meist liegen die Kosten zwischen 500 und 4.000 Euro, also eine große Bandbreite. Ein paar Eckwerte:

  • Bei einer seriösen gewerblichen Schuldnerberatungsstelle landen Sie oft im Bereich von 500 bis 1000 Euro. Diese Beratungsstellen haben oft Preisstaffeln, die sich nach der Anzahl Gläubiger berechnen. Nachvollziehbar, da ein Einigungsversuch mit 25 Gläubigern aufwändiger ist als einer mit fünf. Seriöse Anbieter machen ihre Preise meist schon im Internet transparent. Wir sind so ein Anbieter – unsere Preisliste finden Sie hier.
  • Bei einem erfahrenen Fachanwalt oder Fachanwältin, der/die einen komplexen Sachverhalt lösen muss, sind es eher 2.000 bis 4.000 Euro. Kein Schnäppchen, aber wenn Sie ein größeres Einkommen oder Vermögen (z.B. Immobilie) haben, kann der oder die Expert:in das Geld wert sein. Sie schließen eine Vergütungsvereinbarung mit einer vorab verhandelten Pauschale oder einem Stundensatz ab. Bei besonders komplexen Situationen ist ein Stundensatz in Ordnung, bei einfacheren Fällen sollten Sie über eine Kostendeckelung reden. Auf alle Fälle sollten Sie vereinbaren, dass Sie mindestens monatliche Zwischenabrechnungen erhalten, um sich vor Überraschungen zu wappnen.

Dazwischen gibt es einige Anbieter, die ein intransparentes Preismodell haben. Hier ist es oft ausgesprochen schwierig, einen verlässliche Preisaussage zu erhalten. Nicht selten führen unklare Preise zu bösen Überraschungen. Die Kosten addieren sich im Extremfall auf einen fünfstelligen Betrag.

Wie kann ich die Kosten der Schuldnerberatung ermitteln?

Wie können Sie nun sicherstellen, dass Sie einen fairen Preis erhalten, wenn Sie das Preismodell nicht genau verstehen?

Oberstes Gebot muss sein, dass Sie die Kosten der gesamten Schuldenbereinigung kennen. Wenn sich das Preismodell aus mehreren Faktoren berechnet, lassen Sie sich genau vorrechnen, was es konkret für Sie kosten wird. Wenn beispielsweise der Preis einkommensabhängig berechnet wird, fragen Sie nach der Berechnungsgrundlage – und wieviel es in Ihrem Falle genau ausmacht. Lassen Sie es sich nicht schönrechnen, sondern versuchen Sie, möglichst vorsichtige Annahmen zu treffen. Was passiert, wenn sich die Berechnungsgrundlage ändert, Sie beispielsweise einen besser bezahlten Job antreten? Besser noch, Sie fixieren das Angebot, indem Sie einen Fest- oder Maximalbetrag vereinbaren.

Wenn Sie einen Festpreis angeboten bekommen, klären Sie genau ab, was in den Kosten inkludiert ist und wofür Sie zusätzlich zahlen müssen. Oft werden beispielsweise Spesen oder Dokumente wie die P-Konto Bescheinigung separat in Rechnung gestellt. Das sind dann im Einzelnen „nur“ Beträge zwischen 5 und 50 Euro, aber Kleinvieh macht eben auch Mist. Teurer kann es ausfallen, wenn der Festpreis nur bestimmte Schritte der Schuldenbereinigung inkludiert. Man stellt dann beispielsweise fest, dass wenn der Einigungsversuch nicht geklappt hat, der darauf folgende Insolvenzantrag nun zusätzlich 500 Euro kostet.

Ein Sonderfall ist die Erfolgsprovision, die manche Schuldnerberater vereinbaren wollen. Typischerweise sind das mehrere Hundert Euro, die dann anfallen, wenn eine außergerichtliche Einigung geglückt ist. Grundsätzlich spricht ja nichts dagegen – Sie zahlen die Provision nur, wenn Ihre Schuldenbereinigung erfolgreich war. Allerdings dürfen Sie eines nicht vergessen: Ihr Schuldnerberater erzielt am schnellsten eine Einigung, wenn er Ihren Gläubigern möglichst viel von Ihrem Geld anbietet. Es gibt regelmäßig Fälle, in denen der Schuldnerberater auf die Verschuldeten erheblichen Druck ausübt und eine Einigung aushandelt, die viel schlechter ist als die Alternative einer Privatinsolvenz. Im schlimmsten Falle vereinbart der Berater Monatsraten, die der Verschuldete dann später nicht einhalten kann – und wieder von vorne anfangen muss. Die Erfolgsprovision kann also zu einem ernsthaften Interessenskonflikt führen.

Wie kann ich Kostenfallen bei der Schuldnerberatung vermeiden?

Manchmal ist das Kostenmodell nicht nur schwer zu verstehen, sondern bewusst darauf ausgelegt, einen falschen Eindruck zu vermitteln. Hier sind drei Beispiele, worauf Sie achten müssen:

  1. Häufig werden wir von Verschuldeten angesprochen, die monatelang hohe Ratenahlungen an einen Schuldnerberater geleistet haben in dem Glauben, dass der Großteil des Geldes zur Schuldenbereinigung an die Gläubiger geht – nur um dann festzustellen, dass alles in die Gebühren verpufft ist. Solche „Flatrate-Modelle“ sind selten gut für Sie. Im besten Falle hat der Schuldnerberater den Anreiz, Sie so lange wie möglich in der Flatrate zu halten. Zu den 3 Jahren der Schuldenbereinigung können dann nochmal 2 Jahre Verzögerung dazukommen. Die Betroffenen verlieren den Überblick, wieviel Schulden sie eigentlich abbauen. Und in Summe addieren sich die monatlichen Gebühren oft auf mehrere Tausend Euro.
  2. Wenn ein Schuldnerberater keine staatliche Zulassung als „geeignete Stelle“ i.S.v. § 305 InsO hat, darf er Ihnen keine Rechtsberatung anbieten, sondern Sie nur im Bereich der Finanzen beraten. Da aber Schuldnerberatung eben doch viel mit Rechtsfragen zu tun hat, gibt es oft die Kooperation mit einem/r Rechtsanwält:in. In diesem Fall kann es passieren, dass Sie doppelt bezahlen. Klären Sie daher genau ab, ob die Rechtsberatung in den Gebühren des Schuldnerberaters inkludiert ist – oder was da zusätzlich auf Sie zukommen kann.
  3. Ein paar Anbieter verfolgen eine besonders perfide Masche: Sie gründen einen Verein (e.V.) mit einem sozial klingenden Namen und bieten kostenlose Schuldnerberatung an. Hört sich gut an. Was der Verschuldete aber manchmal zu spät bemerkt ist, dass nur Vereinsmitglieder Anspruch auf diese Beratung haben. Und die Mitgliedschaft – Sie ahnen es – wieder eine teure Flatrate ausmacht.

In Summe sind Sie in der öffentlich finanzierten Schuldnerberatung oft kostengünstig aufgehoben. Wenn Sie aber nicht die Zeit dafür mitbringen, sollten Sie nach möglichst klaren und transparenten Gebührenmodellen Ausschau halten. Bei vielen als „geeignete Stelle“ zugelassenen Schuldnerberatern kontrolliert auch der Staat, ob die Preise und AGBs fair sind. Wenn Sie das Gebührenmodell nicht verstehen oder das Gefühl haben, dass man Ihnen etwas verschweigen möchte, suchen Sie sich einen anderen Anbieter.

×